Bayerischer Wald Reise

Zwischen Kunst und Brauchtum



Gläserne Kostbarkeiten

Die Glaskunst spielt nach wie vor eine wichtige Rolle im Bayrischen Wald. Ein Grund, warum sich Handwerker mit der Glasherstellung und Bearbeitung gerade im Bayrischen und im Böhmischen Wald beschäftigten, liegt sicher darin, dass eine wichtige „Zutat“, der Quarzsand, hier in großen Mengen verfügbar war. Außerdem fand man in der waldreichen Gegend genügend Feuerholz. Gästen der Bayrischer Wald Ferienhäuser werden viele Sehenswürdigkeiten zum Thema Glas geboten. Raimundsreut war bis in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts eine Hochburg in der Hinterglasmalerei. Weil die Rahmenbedingungen nicht mehr gegeben waren, wurde diese Kunst leider aufgegeben.

In Neuraimundsreut wurde eine Ausstellung zu diesem Thema eingerichtet, die sich auch der Familie Peterhansl, einer bekannten Malerfamilie aus dieser Gegend, widmet. Leider ist hier nur ein einziges Hinterglasbild erhalten geblieben, welches in der Kapelle einen würdigen Platz gefunden hat. Ganz diesem zerbrechlichen Element ergeben hat sich das Glasmuseum Frauenau. Neben Filmvorführungen und Sonderausstellungen nimmt das Museum in seiner Dauerausstellung Besucher mit in die faszinierende Welt des Glases. Von den Anfängen der Glasherstellung und dessen Nutzung über das Mittelalter bis hin in die Gegenwart, stellt das Museum die gläserne Geschichte nach. Bei der Burgruine Weißenstein ist ein gläserner Wald entstanden. Die Künstlerhände von Rudi Schmid waren hierfür verantwortlich. Rudi Schmid machte schon durch seine „Gläserne Scheune“ von sich reden, die man in Viechtach besuchen kann. Vor allem in und um Zwiesel, noch immer Zentrum für Glashandwerker, finden zahlreiche Veranstaltungen rund um das Glas statt, wie die Zwieseler Glasauktion oder im zweijährigen Abstand die Zwieseler Glastage.

Keinesfalls auf dem Holzweg

Dem Holz darf eine ebenso hohe Bedeutung beigemessen werden, wie dem Glas. Um diesen Naturrohstoff hat sich ebenfalls ein Brauchtum entwickelt. Im bayerischen Wald trifft man häufig auf sogenannte „Totenbretter“. Es war üblich den Verstorbenen auf einem Holzbrett in der Wohnstube aufzubahren, bevor man ihn auf dem gleichen Brett zu Grabe trug. Normalerweise wurden diese Bretter mit begraben oder verbrannt, teilweise auch zum selben Zweck wiederverwendet. In der Region des bayerischen Waldes entstand irgendwann der Brauch, auf diesen Holzbrettern Widmungen anzubringen, um sie anschließend aufzustellen. Dieses Ritual wurde immer weiter ausgebaut. Bald wurden ganze Texte, auch in Gedichtform auf die Bretter geschrieben. Malereien oder Schnitzereien verzierten diese Bretter zusätzlich.

Diese Tradition ist noch immer üblich, jedoch verwendet man keine Bretter mehr, die vorher zum Aufbahren der Verstorbenen dienten. In Untergrießbach, im Landkreis Passau trafen im Jahr 1996 Holzbildhauer aus aller Welt zum Symposium zusammen. Einige Kunstwerke, die dabei entstanden sind, kann man in der Gegend noch finden. Holzzugschlittenfahrer war einst ein wichtiger Beruf. Im Zuge des Fortschrittes ist er überflüssig geworden und ausgestorben. Um ihn dennoch in Erinnerung zu behalten, hat sich in Lindberg ein entsprechender Verein gegründet. Hermann Ganserer, ein gelernter Holzzugschlittenfahrer, erklärt im Winter alles Wissenswerte und zeigt seine Holzzugschlittensammlung.

Spannende Nächte und spaßige Tage - Winter im bayerischen Wald

Der Winter ist eine beliebte Reisezeit für Besucher des bayerischen Waldes. Dann kann man eine typische Rauhnacht miterleben. Schaurig schön geht es auf den Straßen zu, wenn Gestalten mit finsteren Masken durch die Ortschaften ziehen. Der Rauhnacht liegt ein alter heidnischer Brauch zugrunde, der jedoch teilweise von christlichen Riten überlagert wird, in der sich, um die Nächte der Nachweihnachtszeit, Hexen und Geister herumtreiben. Die Tage werden im Winter auch nicht lang. Es gibt viele Wintersportmöglichkeiten, wie Eisstockschießen, Eislaufen oder Rodeln und Skifahren. Winterwandern und Schneeschuhwandern sind beliebt. Ein besonderer Höhepunkt ist eine Fackelwanderung in der Dunkelheit, wie sie zum Beispiel in Zwiesel oder Bodenmais angeboten werden. Eine Reihe von Skischulen bieten Unterstützung für Anfänger an. Gut gespurte Loipen sind eine Freude für Langläufer. Beliebtes Langlaufgebiet ist der Vordere bayerische Wald. Amateursportler nutzen gerne das Arber Skistadion am Großen Arber See. Grafenau und Schönau sind für ihre hervorragenden Bedingungen für einen Familien-Winter-Urlaub bekannt.

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